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Anneliese Fritzsch

Alois Alt

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Rückblick in die Vergangenheit der Siedlung Feyen-Weismark

Alois Alt

Alois Alt kam 1945 im Alter von 14 Jahren aus dem Hunsrückdörfchen Merschbach bei Horath (damals 160, heute noch ca. 60 Einwohner) nach Trier. Er wollte unbedingt Dachdecker werden. Seine Eltern meinten damals, er käme nicht weit und sei schnell wieder zu Hause. Aber Alois Alt fand in Trier eine neue Heimat, eine Lehrstelle - und eine Frau.

Es gab nichts zu essen in der Stadt. Alois Alt schlug sich durch, lebte zuerst bei Verwandten und ging am 15.09.1945 bei Dachdecker Feltes, Am Knie, in Feyen in die Lehre. 40 Jahre war er dann bei Firma Glischke in der Matthiasstraße beschäftigt, leitete den Betrieb eine Zeitlang mit, nachdem der Seniorchef verstorben war.

Durch den Kirchenchor lernte er die Familie Kinzig aus dem Irscherhof kennen, war schon länger mit den vier Geschwistern befreundet, bevor er seine spätere Frau Katrina (Katharina) kennen lernte.

In Feyen lebt Alois Alt nun schon 64 Jahre, davon war er 32 Jahre im Vorstand der Siedlergemeinschaft, ca. 15 Jahre deren zweiter Vorsitzender. Bis zum heutigen Tage ist er aktiv am Geschehen in der Siedlung beteiligt. Wo er gebraucht wird, packt er zu. „ Aber ich habe bestimmt 10 Jahre gebraucht, bis ich die Leute Am Irscherhof einigermaßen gekannt habe. Ich war ja beruflich viel unterwegs. Schon gleich nach der Hochzeit musste ich für 14 Tage auf Montage“, erzählt Alois Alt.

Hochzeitstag

An den Hochzeitstag, am Pfingstsamstag 1954, kann er sich noch genau erinnern, sogar an das Lied, welches aus dem Autoradio erklang: „Eine weiße Hochzeitskutsche...“ Für die Fahrt zur Kirche hatte Oberbilligs Ton seinen Mercedes zur Verfügung gestellt, am Steuer saß Robert Adam sen.

Es waren keine rosigen Zeiten damals. Geheiratet wurde in Feyens Notkirche – bei strömendem Regen - zusammen dem Brautpaar Fritz Siegismund aus dem Griffenborn, eine Doppelhochzeit also. Allerdings musste die Hochzeit mit zehnminütiger Verspätung stattfinden, weil der Bräutigam Siegismund noch einmal nach Hause lief, um die vergessenen Ringe zu holen.

Die Notkirche

Die Notkirche stand auf dem Gelände der Familie Grimbach (hinter dem Haus von Rau, Ecke Sandbach/Pfahlweiher), die das Grundstück kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. In die kleine Kirche, ursprünglich eine Baracke des Reichsarbeitsdienstes, passten ca. 150 Leute. Aufgestellt wurde sie von Feyener Bürgern. Nach der Einweihung der Kirche St. Valerius im Jahre 1954 wurde die Notkirche abgerissen

Nun berichtet Alois Alt vom Vereinleben und den Aktivitäten zur damaligen Zeit:

So wurde u. a. von der Siedlergemeinschaft vor ca. 30 Jahren am „Fischweiher“ (wo jetzt das Kinderfest stattfindet) ein Spielplatz mit allem drum und dran eingerichtet und finanziert. Jedes Jahr säuberte der Vorstand den ganzen Bach vom Südbad bis hinunter zum Minigolf.

Gefeiert wurde natürlich auch. Das Vereinslokal war bei Oberbillig’s Ton am Bildstock. Für größere Veranstaltungen errichtete man ein Zelt auf dem unbefestigten Parkplatz beim Südbad. Das angeschaffte Porzellan und Besteck für 120 Personen wurden bei Fabers Nickel im Schuppen, die großen Mannschaftszelte im Keller unter der Sakristei eingelagert. Als die Sachen nicht mehr gebraucht wurden beschloss der damalige Vorstand (Vorsitzender war zu der Zeit Trierweilers Heini), sie dem Seniorenclub zu stiften. Auch Katrina Alt engagierte sich sehr in der Siedlung: 28 Jahre, sozusagen von der ersten Stunde an, wirkte sie im Seniorenclub, leitete diesen später auch.

Sogar eine „Siedlungspartnerschaft“ wurde gepflegt: In Koblenz und Saarbrücken-Burbach waren etwa zeitgleich Siedlungen nach ähnlichem Muster entstanden. Im Rahmen von organisierten Busfahrten besuchte man sich einige Male, jedoch schlief der Kontakt im Laufe der Zeit ein.

Häuserbau

Die Errichtung der “90 Heimstätten“ (davon 40 für Kinderreiche) in der Siedlung erfolgte durch verschiedene Wohnungsbaugesellschaften in drei Bauabschnitten *1), * 2):
Am Irscherhof und Am Bildstock von der Gemeinnützigen Wohnungsbau GmbH,
Im Griffenborn und Im Hofacker von der Mittelrheinischen Heimstätte,
die Anwesen Zum Pfahlweier wurden von Privatleuten erbaut.

Beginn des 1. Bauabschnittes am 11.08.1932, Bezug 1933
Beginn des 2. Bauabschnittes am 06.10.1932, Bezug 1933
Bezug der Häuser des 3. Bauabschnittes 1934

Die Häuser, welche um die 3000,00 RM kosteten, wurden von den Wohnungsbaugesellschaften vorfinanziert und konnten später von den Bewohnern im Mietkauf erworben werden. 18,00 RM, später 12,00 RM, waren dafür monatlich an die Volksbank zu zahlen. * 2)

Im Vereinslokal der Siedler, beim Oberbillig’s Ton Am Bildstock fanden dann am 24.06.1951 die Eigentumsumschreibungen der Siedlerstellen statt. Vorher musste ein entsprechender Antrag beim Hauptsitz der Wohnungsbaugesellschaft GBT in Mainz gestellt werden. Waren Leute mit ihren Mietzahlungen im Rückstand, so konnte die Eigentumsübertragung zunächst nicht erfolgen.

Reutersfeld

Ursprünglich lautete die Bezeichnung für das ganze Gebiet hier oben Im Reutersfeld. Erst während des Krieges kamen dann die verschiedenen Straßennamen.

Die Häuser in der Siedlung wurden überwiegend mit Moselkies gebaut. 1954 bestand der Straßenbelag Am Irscherhof noch aus Kies. Nach dem Krieg waren die Kiesbagger von Bauunternehmer Herrig aus Medard Tag und Nacht im Einsatz.

Dadurch, dass hier verschiedene Baugesellschaften am Werk waren, unterschieden sich die Häuser in Grundriss und Bauart. So hatten die Anwesen für die „Kinderreichen“ (z. B. Am Irscherhof vom Haus Herrig aus gesehen bis runter ans „Gässchen“) von vornherein einen größeren Zuschnitt als die übrigen Häuser.

Bemerkenswert ist auch, dass es im Hause Kinzig (Alt) einen Ringanker sowie Fenster- und Türstürze aus Beton gab, im Nachbarhaus Kasel dagegen nicht. Auf den Fensterstürzen lagen die Fußfetten des Daches auf. Beim späteren Umbau hatte Alois Alt mit der vermeintlich besseren Bauweise ganz schön zu kämpfen.

Bei der Eindeckung der Siedlungshäuser wurden zwei Sorten Tondachziegel verwendet: Am Irscherhof der Rheinlandziegel, Am Bildstock und Im Reutersfeld der S-Ziegel. Letzterer wurde in H-Mörtel gelegt. Wundern kann man sich darüber, dass – auch ohne den Einsatz von Spritzmitteln gegen Holzwurm o. ä.- die meisten der alten Dachbalken bis heute intakt geblieben sind ist.

Notausgang

Der Notausgang

An den Giebelwänden verschiedener Häuser findet man auch jetzt noch Hinweise auf frühere Notausgänge. Während des Krieges mussten französische Gefangene Luftschutzbunker graben. In jedes Haus kam ein kleiner Bunker (= Notausgang). Wenn die Anwohner damit einverstanden waren, konnte bei der Gelegenheit das Vorderhaus ganz unterkellert werden. Franz Kinzig war zu der Zeit im Krieg und im Kinzig-Haus wurde im Keller ein Notausgang von nur 2 m² gegraben Neben der dünn gemauerten Sandsteinwand zum Nachbarn musste immer ein Hammer griffbereit stehen, damit man im „Falle des Falles“ durchsteigen konnte. Vor den Häusern befand sich am Eingang ein Ausstiegsschacht, durch eine Platte von ca. 80 cm verschlossen.

Der Notausgang

Nach dem Krieg

Nach dem Krieg war in der Umgebung erst einmal jede Menge Schutt zu beseitigen. Alle Lehrlinge mussten ein Mal pro Woche Schutt aufraffen und mit den Loren („Hundchen“) über die angelegten Gleise von der Hohenzollernstraße bis zum Cafe Dötsch transportieren. Dafür bekamen sie dann eine Sondermarke für ein Maisbrot. Als weiteres Transportmittel diente das Pferdefuhrwerk von Bauer Metti Schmitz aus dem Feyener Weg.

Der Schutt kam dann in die während des Krieges entstandenen Löcher, so z. B. beim Parkplatz des französischen Gymnasiums in St. Matthias. Dort, wo heute die Halle von Getränke Mangerich steht, waren früher die Gruben, aus denen der Sand für den Häuserbau der ganzen Stand raus gefahren wurde. Auch dieses Loch wurde mit Schutt aufgefüllt. Später gingen die Häuslebauer dorthin, um als Baumaterial für ihre Häuser Steine sauber und Nägel gerade zu klopfen.

Gewerkelt und verschönert wird auch heute noch viel in Eigenleistung. Die Arbeiten an den „schmucken“ Häusern sind heute um vieles leichter, die nachbarschaftliche Zusammenarbeit funktioniert aber immer noch!



Marita Lenz

Weitere Quellen: *1) = Übereignungsfest am 23.8.24.06.51 in der Siedlung Weismark * 2) = Archivmaterial Hans Adam