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Mit Abt Eucharius
bei der Grundsteinlegung
„Früher war doch alles einfacher...“
Ob das immer so stimmt, sei mal in Frage gestellt.
Doch eins ist klar: Früher war alles anders. Auch in
der Siedlung, wie uns Reinhold Mertes bei einer
gemütlichen Runde in seinem Elternhaus in Medard,
wo er mit seiner Frau lebt, erzählt hat.
Reinhold Mertes ist einer derjenigen, der bei der Grundsteinlegung der
Siedlung dabei war und darüber berichten kann. Er kennt die ganzen
Geschichten von früher und obwohl er nicht „hier oben“ lebte, spricht er
von der Zeit, so als ob er in der Siedlung aufgewachsen wäre.
Und so falsch ist das auch gar nicht, denn der mittlerweile 83-jährige war
damals oft mit seinen Kumpels Paul Ehses, Klaus Ruf und auch seinem
engen persönlichen Freund Hans Lenz, mit dem er auch die erste und
zweite Klasse der Matthias-Grundschule besuchte, oberhalb des heutigen
Sportplatzes bei der „Kaul“, damals auch noch „Muhl“ genannt, zum
Spielen.
Außerdem war er Mitglied in der Jungschar, einem Verein der
katholischen Jugend. Die Gruppe von Jugendlichen traf sich regelmäßig
und verbrachte viel Zeit in Feyen.
Bis zum Verbot durch die Nazis 1937 war Mertes in der Jungschar. Der
Begriff mag vielleicht wie aus dem Nationalsozialismus klingen, jedoch
hatte dieser Verein in keinster Weise etwas mit Hitler zu tun, sondern war
eine Organisation der Kirche, die aber während Hitlers Machtzeit aufgelöst
und verboten wurde. Obwohl der Verein keinen dazu verpflichtete,
Mitglied zu werden, waren bis auf wenige Ausnahmen, alle dabei.
Neben den katholischen Vereinigungen gab es weitere Gruppierungen, wie
zum Beispiel den „Hansa-Verein“, ein klassischer Sportverein mit
ausschließlich SPD-Anhängern.
Oft marschierten sie sonntags mit den Jungenschaftsführern (das waren
die älteren Jahrgänge) los und erkundeten die nähere Umgebung. Ziele
waren oft die Siedlung im Bereich Irscherhof, Pfahlweiher und Reutersfeld
zum kennen lernen der näheren Heimat.
Reinhold Mertes und die anderen zehn bis zwanzig Mitglieder der Gruppe
nahmen auch gerne an den Versammlungen teil, dabei spielte Politik
allerdings kaum eine Rolle. Reinhold Mertes sagt: „Wir haben uns
angepasst. Von Politik hatten wir keine Ahnung.“
An den Tag der Grundsteinlegung im Jahr 1932 erinnert sich Mertes noch
gut: Es war ein trüber, regnerischer Tag im Herbst. Anwesend waren
hauptsächlich Mitglieder gewerkschaftlicher Vereine. Gemeinsam stand
Mertes dort mit der Jungschar, alle in kurzen schwarzen Hosen, weißen
Hemden und weißen Tüchern.
Für die Kirche sprach Präses Eucharius (von allen nur „P“ genannt) als
stellvertretender Abt von St. Matthias ebenfalls ein Wort zur
Grundsteinlegung. Das war auch der Grund, warum die katholische
Jugend dabei war. Nach dem Krieg wurde Präses Eucharius Abt von St.
Matthias.
Nachdem sich die Stadt Trier mit dem Problem der „Stadtrandsiedlung für
Erwerbslose“
befasst hatte, glaubte man zunächst einen geeigneten
Bauplatz in Euren, Olewig oder dem Petrisberg gefunden zu haben. Doch
als man im Frühjahr 1932 auf das Gelände in Feyen aufmerksam wurde,
war der perfekte Platz gefunden.
Das Gelände, auf dem heute die „Siedlung“ steht, gehörte zunächst der
katholischen Kirche und wurde zur Zeit Napoleons von Herrn Nell
ersteigert.
Man kann von Glück sagen, dass die Kaufverhandlungen mit Herrn von
Nell erfolgreich verlaufen waren, sodass noch im selben Jahr der
Grundstein für die Siedlung gelegt werden konnte. Später wurde Nell von
den Preußen geadelt und hieß danach von Nell.
Baumaterialien wurden von den verschiedenen Gewerkschaften gestellt
und auch die Bauarbeiter wurden ausreichend versorgt. Jeden Tag kam der
so genannte „Speisewagen“, der den Männern Suppe brachte.
Mit viel Mühe und harter, schweißtreibender Arbeit entstanden dann die
ersten Häuser, die meisten davon waren 1,5-stöckig und hatten oben
Schlafräume.
Zudem gehörte ein Stall zu jedem Haus, denn Kleintierhaltung war damals
Pflicht.
So langsam wurde aus der riesigen Baustelle eine Siedlung, aber schon
bald musste Mertes diesen Ort, an dem er so viel Zeit verbracht und den
er mit wachsen gesehen hatte, verlassen. 1943 wurde er eingezogen und
kam 1947 aus amerikanischer Gefangenschaft zurück. Allerdings
verbrachte er während seines Dienstes keinen Tag in Deutschland, sondern
wurde sofort zum Einsatz nach Diedenhofen und Metz geschickt. Seine
Rekrutenzeit verbrachte er in Verdun und kam später nach Paris zum
Regiment, wo er bis zur Invasion der Amerikaner blieb.
„Eines Tages“, erzählt Mertes, „bekam ich ein Telegramm von meiner
Einheit, dass ich mich sofort zu melden hätte.“
Er kam dann als
Meldekurier zwischen Bataillon und Regiment. Am 30.07.1944, wurde er
von dem Amerikanern in der Normandie gefangen genommen. Drei Jahre
verbrachte er in Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung wollte Mertes
nur noch nach Hause.
Ob sich wohl viel verändert hatte?
Nach seiner Rückkehr zog es ihn schnell in die Siedlung, wo sich ihm ein
unschöner Anblick bot. In der ganzen „Muhl“ lagen leere Patronenhülsen, und zwar richtig große. Sie hatten einen Durchmesser von acht und eine Höhe von etwa 50 Zentimetern.
„Doch dann“, berichtet Herr Mertes „verschwanden die Hülsen über
Nacht.“
.“ Die Materialien wurden wieder gebraucht, u. a. für den Korea-
Krieg. Auch für die Ramasseure war es damals eine schöne Zeit.
Auch oberhalb der „Muhl“, wo sich jetzt die Kirche St.Valerius befindet,
standen Erinnerungen an den Krieg. Dort war eine 8.8 Flak stationiert.
Die „Muhl“ ließ man nach dem Sandabbau für die Wohnhäuser,zuwachsen. Sie wurde später für die Franzosenkinder zum Spielplatz.
Ganz im Gegenteil zu Medard, wo nicht viel vom Krieg zerstört worden
war, fielen im Schammat vier feindliche Bomben ein. Das Haus der
Familie Mertes in der Medardstraße blieb zum Glück verschont, doch
leider konnte ein wichtiger Koffer, der auf dem Speicher deponiert war,
nicht mehr gefunden werden. Darin befand sich eine Ahnentafel, die bis
zum 30-Jährigen Krieg zurückführte und von seinem Bruder Richard
Mertes, der bis zum heutigen Tage in Russland vermisst ist, angelegt
worden war.
Vermutlich hatten die Amerikaner das Haus geplündert und neben
Wertsachen und Möbeln auch private Dinge, wie Familienfotos,
mitgenommen. Deswegen hat Mertes leider auch keine Fotos mehr aus
dieser Zeit. Doch das stört ihn weniger, denn die Hauptsache ist doch, dass
er die Erinnerungen im Kopf und vor allem im Herzen trägt.
Trotz jahrelanger Krankheit und durch einen Schlaganfall beim Sprechen
gehandicapt, hat Reinhold Mertes den Lebensmut nicht verloren. Gerne
gewährte er uns einen Einblick in sein Leben und ließ uns an seinen
Erinnerungen teilhaben.
Dafür danken wir ihm herzlich und wünschen ihm und seiner Familie für
die kommenden Jahre alles erdenklich Gute!

Safak Oktay
für die Redaktion

Unser Mitglied Matthias Antony, Am Irscherhof 77, 54294 Trier, hat uns dankenswerterweise das nachstehende Dokument über die Handwerker und Dienstleister in der Siedlung im Jahre 1949 zur Verfügung gestellt. War das der Vorgänger des Siedler-Service ?

Aus dem Archiv von Hans Adam