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Das erste „Siedlungskind“ vom Irscherhof

Helmut Herrig *23.02.1934

Als erstes Kind in der Straße Am Irscherhof wurde Helmut Herrig am 23. Februar 1934 im Haus Nummer 74 geboren.
Die Familie wohnte erst kurze Zeit in dem Siedlungshaus, als Helmut in der Wohnküche als fünftes Kind das Licht der Welt erblickte. Die Eltern stammten aus Medard, die vier älteren Kinder wurden in Kürenz geboren, wo die Familie vor dem Umzug
in die Siedlung wohnte. Helmut’s ältester Bruder fiel im Krieg.

Nach der Entbindung von Helmut gab der Arzt gegenüber der Mutter eine schlechte Prognose ab:
„Dem da ist gut Brot geben, der wird nicht alt …“

Helmut Herrig als Junge mit Nichte

im Garten seines Geburtshauses. Babyfotos von ihm gibt es leider nicht. „Die haben doch früher kein Geschiss gemacht“, sagte der inzwischen 72jährige.

Nun plaudert Helmut Herrig ein wenig aus dem Siedlungs-Nähkästchen:
Über die Vielzahl der Geschäfte, die es damals in den Straßen Am Irscherhof, Am Bildstock, Im Reutersfeld und Am Pfahlweiher gab. Neben Bäcker, Schuster, Friseur, Maurer und Verputzer waren dort Kohlen-,Futtermittel-, Getränke- und Blumenhandel. Marxen Henrich (Heinrich Marx) aus dem Reutersfeld transportierte mit seinem blauen Dreirad (dreirädriger Lieferwagen) die Gasflaschen zu den Kunden,
Am Irscherhof beim „Fisch-Pit“ (Trierweiler) konnte man zunächst Fisch und nach dem Krieg Speiseeis kaufen.
Es gab insgesamt fünf Lebensmittelgeschäfte, fünf Bäcker belieferten die Siedlung.
Auf der Post (Haus Oberbillig) Am Bildstock nahmen die Siedler am Monatsanfang ihre Rente in Empfang.

Im Hofacker befand sich die größte Firma der Siedlung: Die Baufirma Schmied hatte Kiesgruben auf dem Eurener Flur und viele
Leute beschäftigt.
Aber auch weniger gute Zeiten hat Helmut Herrig erlebt.
Im Krieg war die Familie im Hunsrück hinter Morbach evakuiert. Bei der Rückkehr im April 1945 hatten amerikanische
Militärangehörige das Haus besetzt, in anderen Häusern hatten sich fremde Leute einquartiert. Der Gartenzaun war das Opfer eines Panzers geworden.
Hin und wieder fand man aber im Garten oder auf der Straße brauchbare Dinge, wie zum Beispiel Konservendosen, die die Amis
„verloren“ hatten.
Es gab weder Wasser noch Strom in den Häusern. Zur Feuerbeschaffung gibt Helmut Herrig eine Anekdote zum Besten:
Da es auch kein Streichholz gab, machten die Leute sich „Fidibusse“ aus Holzspänen oder fest zusammengewickelter Zeitung und gingen damit von Haus zu Haus und von Straße zu Straße, um Feuer zu geben oder zu nehmen.
Mit der Schaufel ging man auch zu Leuten, die Briketts hatten und fragte „Kann ich ein bisschen Glut haben?“ Es kam auch vor, dass jemand sagte: „Wir haben kein Feuer“, denn die Glut wollte man wegen der Wärme nicht sogerne weggeben.

Welches Kind kann sich in der heutigen Zeit eine Vorstellung davon machen, wenn Helmut Herrig erzählt, dass man damals die meiste Zeit barfuss ging, sogar bis es anfing zu frieren?
Dann gab es Sandalen aus Gummireifen mit Seilen dran. Wenn der Frost zu arg war, zog Helmut die Schuhe seines Vaters an, die er vorn mit Lappen ausstopfen musste.
Und wer würde heute noch mit der Schaufel hinter einem Pferd hergehen, um die Pferdeäpfel aufzuheben? Damals beeilte man sich, den Dünger für den Garten einzusammeln.

Großes Glück hatte Helmut Herrig nach dem Krieg. Beim Spielen mit Munition flog er in die Luft und kam – im Gegensatz zu vielen anderen, die in dieser Zeit auf Minen traten oder beim Minensuchkommando umkamen – mit dem Leben davon.
Neben einer Silberplatte im Kopf trug er Narben an Brust, Armen und Beinen davon. In den folgenden Jahren traten immer wieder Splitter durch die Haut zutage.

Während des Krieges wurden die Keller der Siedlungshäuser als Luftschutzkeller ausgebaut und auch Kanal gelegt. Um die harte
Lehmschicht zu lockern und tiefer ins Erdreich zu kommen, musste die oberste Schicht der Straße gesprengt werden. Damit die umliegenden Häuser unversehrt blieben, wurden die Sprengstellen mit Loren der Feldbahnen abgedeckt. Die Sprengungen erfolgten dann in den umgestülpten Behältern der Loren.

Geburt der Tochter

Schmunzelnd berichten Mathilde und Helmut Herrig von der Geburt ihrer ersten Tochter, die am 19. Januar 1958 zur Welt kam.

Mathilde Herrig war zur Geburt des ersten Kindes im Herz-Jesu-Krankenhaus angemeldet. Da aber im Haus ihrer Mutter
in Heiligkreuz eine Ärztin wohnte, bestand die Mutter darauf, dass sie das Kind dort auf die Welt bringen sollte.
Nachdem die Hebamme festgestellt hatte, dass es bei Mathilde Herrig noch etwas dauert, machte sie sich auf den Weg zueiner anderen Patientin in die Ruwerer Straße (heute: Herzogenbuscher Straße). Als sich der Zustand seiner Frau verschlimmerte und die Ärztin ausgerechnet verreist war, schwang sich Helmut Herrig bei strömendem Regen auf sein Moped (Flieger, wie er es nennt) und sauste nach Trier- Nord. Das blaue Moped von „Marxen Bäpp, der Hebamme, stand an einem der Genossenschaftshäuser. Helmut Herrig orientierte sich an den erleuchteten Fenstern und drücke einfach auf eine Klingel. Er hatte Glück und die Hebamme war gerade dort fertig. Gemeinsam trat man die Rückfahrt an.
Oh weh, an der Porta Nigra dann das Malheur: Der Hebamme war der Sprit ausgegangen und keine Tankstelle weit und breit.
Durch Zufall stieß Helmut Herrig mit der Hand an die Klingel seines Mopeds. Da kam ihm die rettende Idee: In den Schellendeckel ließ er etwas Sprit ab und füllte ihn ins Moped der Hebamme. So kam sie wenigstens bis zur Tankstelle in der Ostallee. Das Gemisch Sprit kostete damals 6 Groschen – erinnert er sich.
Letzten Endes ging alles gut.
Die kleine Gabi wurde auch gleich in Heiligkreuz getauft, denn „ein ungetauftes Kind trägt man nicht aus dem Haus“ hieß es damals, sagt Frau Herrig.

Autorin:

Marita Lenz