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Failte gu Alba
(Willkommen in Schottland)
Als ich im Januar 2000 ins Flugzeug nach Glasgow gestiegen bin habe ich mich natürlich schon gefragt ob ich das richtige tue. Zwar war ich zuvor oft in Schottland gewesen, aber als Tourist ein Land besuchen ist ja eine andere Sache als dort zu leben. Würde das gut gehen? Acht Jahre später kann ich sagen, dass ich den Schritt nicht bereut habe. Aber warum ausgerechnet Schottland? Da regnet es doch immer, es ist kalt und die Landschaft ist karg und trostlos, die Leute sind geizig und Männer tragen Röcke.
Ganz klar, Schottland ist kein Land für Sonnenanbeter. Aber wer Ruhe und Frieden sucht wird sie im schottischen Hochland oder auf den Inseln finden.

Largs, der Ort in dem ich lebe, liegt an der Westküste, zwischen Meer und Bergen. Die Insel Arran, auch „Schottland in Miniatur“ genannt, ist nur wenige Kilometer entfernt. Und dennoch ist auch Glasgow nur etwa 50 km weit weg von Largs und bestens mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. In Glasgow oder Edinburgh kommt jeder, der sich für Kunst, Kultur, Musik, Geschichte und Technik interessiert auf seine Kosten. Für Wanderer und Bergsteiger ist Schottland ein Paradies, aber auch weniger sportliche Menschen (wie ich zum Beispiel) ertappen sich dabei, dass sie mehr Zeit an der frischen Luft verbringen.

Abgesehen von einigen großen Städten, ist Schottland ja eher dünn besiedelt. Kilometerweit kann man oftmals nur Schafe, Berge und ein vereinzeltes Haus erkennen. Während in den Städten natürlich immer für Unterhaltung gesorgt wird müssen die Schotten, die etwas weiter weg von Kino, Theater, Konzerthalle und Sportstadium leben, oftmals selbst für Unterhaltung sorgen. Wer will schon jeden Abend fernsehen? Und es ist erstaunlich was kleine Gemeinden auf die Beine stellen. Eine beliebte Art des Zeitvertreibs sind sogenannte Ceilidhs. Der Begriff „Ceilidh“ stammt aus dem Gälischen, der Muttersprache der Schotten, und bedeutet soviel wie Zusammenkunft. Traditionell ist es ein Treffen der Dorfgemeinschaft zum gemeinsamen Singen, Gesichten erzählen und Tanzen. Heute ist ein Ceilidh meist eine gutorganisierte Sache, die oftmals auf das Tanzen beschränkt ist. Die berühmtberüchtigte Pubkultur blüht natürlich in ganz Schottland. Im Pub trifft man sich und bespricht die Höhen und Tiefen des Lebens. Und oftmals gibt es extrem gute Livemusik dort. Die Schotten sind sehr gastfreundlich und wer in einem Bed & Breakfast übernachtet wird normalerweise schnell in ein Gespräch verwickelt. Wer dann noch zum Frühstück gerne gegrillte Würstchen, weiße Bohnen, Eier, Schinken, Pilze und Black Pudding (vergleichbar mit der deutschen Blutwurst) zu sich nimmt ist „schottlandtauglich“. Vor allem ältere Menschen werden mit viel Respekt und Höflichkeit behandelt. Auch kommt es vor, dass Oma und Enkel im gleichen Pub einkehren. Toleranz beruht auf Gegenseitigkeit, denn auch die älteren Herrschaften beschweren sich kaum einmal über skateboardfahrende Teenager oder laute Musik.
Wer den Film „Braveheart“ gesehen hat weiß, daß Schottland eine dramatische Geschichte hinter sich hat. Lässt man alle Hollywood-Fantasien außer Acht bleibt die Tatsache bestehen, daß das Land Jahrhunderte lang durch die englische Vorherrschaft ausgebeutet wurde. Der wohl tragischste Abschnitt der schottischen Geschichte sind die sogenannten Highland Clearances nach 1745. Die wieder einmal siegreichen Engländer verboten den Schotten Waffen zu besitzen, ihre Sprache zu sprechen, Dudelsack zu spielen und Tartan (die berühmten schottischen Karomuster) zu tragen. Schotten wurden systematisch von ihrem Land vertrieben, damit dort Schafe für die boomende Wollindustrie angesiedelt werden konnten. Die Grundbesitzer, selbst oftmals Schotten, verkauften ihre Leibeigenen in die Sklaverei nach Amerika und Kanada. Wer im Land blieb war bettelarm. Und so gingen viele freiwillig und mit schweren Herzen in die neue Welt. Das von den Engländern gewünschte Ende der barbarischen Kultur der wilden Schotten wurde damit allerdings nicht erzielt. Auch die ausgewanderten Schotten hielten wider Erwarten an ihrer Kultur fest. Und so kommt es, dass die größte gälische Bücherei sich nicht etwa in Schottland sondern in Nova Scotia (Kanada) befindet. Sie sind einfach nicht kleinzukriegen, diese Schotten!

Für mich ist Schottland mit seinen wilden und wunderbaren Landschaften einfach zur Heimat geworden. Natürlich gibt es hier auch Probleme mit Kriminalität, Jugendbanden, Drogen und Arbeitslosigkeit. Aber wenn ich in die Highlands rausfahre, auf der Insel Skye die Bergwelt der Cullins genieße oder bei einem Konzert oder Ceilidh bin, ist dies (nicht nur scheinbar) weit weg. Von Anfang an habe ich mich in Largs lokal engagiert. 2002 war ich Mitglied im lokalen Komitee der Royal National MOD (gälisches Festival) und habe bei der Organisation eines Konzertes nicht unmaßgeblich mitgewirkt. Mein Freundeskreis besteht überwiegend aus musikbegeisterten Leuten oder solche, die die Musik zu ihrem Beruf gemacht haben. Mittlerweile verfüge ich sogar über bescheidene Gälischkenntnisse, die mir zumindest das Überleben sichern würden. Es versteht sich schon fast von selbst, daß mein erster Roman „Dream Fields“ eine schottische Geschichte ist. Ian, Andy und Rick, die drei Hauptcharaktere, sind bereit für ihren Traum als Musiker Erfolg zu haben fast alles zu opfern. Aber kann eine Band von der Insel Skye in der Realität der Musikszene überleben ohne Kompromisse einzugehen? Während Andy und Rick zumindest in ihrem Privatleben einen festen Ankerplatz finden scheint Ian ständig in einer Achterbahn zu sitzen. Aber es gibt etwas, auf das er immer zählen kann: die Hilfe seiner Freunde. Und dann ist da noch die junge Kelly Murray, die mit ihrer grandiosen Stimme die Bühnen der Welt erobern möchte. Und ein ungewöhnliches Angebot eröffnet ihr ungeahnte Möglichkeiten. Aber ist Amerika wirklich das Land, in dem Träume wahr werden?
„Dream Fields“ ist in der Rohfassung bereits einige Jahre vor der Veröffentlichung 2004 entstanden. Als ich mit der Arbeit an dem Buch begann lebte ich noch in Trier. Heute steht mir die Geschichte noch näher als damals. Ian, Rick und Andy sind natürlich frei erfundene Charaktere, aber ich habe hier mittlerweile einige Musiker getroffen, deren eigene Geschichte gar nicht so viel anders ist als die meiner drei Helden. Der Umgang mit Musik ist in Schottland eh etwas anders als in Deutschland. Das wohl bizzareste Erlebnis, das aber meiner Meinung nach alles über den Umgang einiger Schotten mit Musik aussagt, hatte ich auf Skye. Ich war bei einem Konzert, das im Wohnzimmer der gälischen Sängerin Anne Martin stattfand, und es waren 48 Leute anwesend. Nach dem offiziellen Hauskonzert, eine Tradition, die vor allem in Kanada wieder gepflegt wird, blieben etwa 10 Leute übrig. Diese versammelten sich dann in der Küche und sangen gälische Lieder. Einer der Musiker sass im Türrahmen und spielte Akkordeon dazu. Bei Bedarf wurde er mit seinem Stuhl aus dem Weg geschoben ohne dass er dabei aufhörte zu spielen. Der Höhepunkt war erreicht als der Hausherr seinen Küchenschrank öffnete und daraus nicht etwa einen Topf oder eine Pfanne hervorholte sondern eine Fiddle. Ich muß wohl nicht erklären, daß es ein langer Abend wurde.

Lust auf mehr Schottland bekommen? Informationen über Land und Leute findet man z.B. auf http://www.visitscotland.com. Aber bitte den Schottenrock nicht Schottenrock nennen. Dann werden manche Schotten richtig sauer, denn es ist kein Rock im üblichen Sinne. Der offizielle Name ist „Kilt“. Und wer wissen will was unter dem Kilt ist ... ah, das bleibt ein gutgehütetes Geheimnis.
Natürlich kann man sich für Infos auch gerne direkt per eMail an mich wenden. Meine Adresse ist brooseline@yahoo.de.